Welchen Platz nimmt Maly Trastjanez in der Geschichte von Belarus, Deutschlands und Österreichs ein?

Studierende aus Minsk, Wien und Osnabrück trafen sich bei einem Online-Seminar und tauschten Erfahrungen im Studium der Geschichte von Maly Trastjanez aus.

Was studieren Studierende aus verschiedenen Ländern?

- An der Universität Wien untersuchen Studierende unter der Leitung der Historikerin Professorin Kerstin von Lingen und der Archäologin Klaudia Tojne den Weg der deportierten Juden nach Maly Trastjanez.

- Eine Gruppe von Studenten aus Minsk untersucht zusammen mit dem Historiker Aliaxander Dolgouski die Erinnerungskultur an Maly Trastjanez durch die Darstellung im Museum des Großen Vaterländischen Krieges in Minsk und die moderne Erinnerung an Erinnerungsorte.

- An der Universität Osnabrück in Deutschland fanden gemeinsame Seminare der Professoren Khristoph Ras und Aliaxander Dalgouski statt, in denen die Teilnehmer über ihre Studien zur Topographie des Gebietes und der Transformation von Maly Trastjanez von 1941 bis heute sprachen.

Das gemeinsame Treffen fand am 22. Juni im Rahmen des Projekts Virtual Tour zur multiperspektivischen Untersuchung des Erinnerungsortes in Maly Trastjanez statt. Das Ziel des Projekts: Materialien für den virtuellen Rundgang durch Maly Trastjanez zu entwickeln, die unterschiedliche Perspektiven aufzeigen und es der jüngeren Generation ermöglichen, in einen Dialog über den Holocaust, den Krieg und seine Folgen für die heutige Gesellschaft einzubinden.

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In Maly Trastjanez richteten die Nazis Anfang 1942 ein Arbeitslager sowie eine Vernichtungsstätte ein. Von 1942 bis 1944 wurden auf einer Lichtung im Blagauschtschyna und anderen Mordstätten in der Nähe mehr als 200.000 Menschen getötet, darunter Zivilisten, darunter Juden, Partisanen, Kriegsgefangene sowie aus Westeuropa deportierte Juden.

Studierende aus Minsk, Wien und Osnabrück bei einem Online-Seminar am 22.06.2021

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich Erinnerungskultur, Geschichtspolitik und rechtliche Bewertung der NS-Verbrechen in Maly Trastjanez sehr unterschiedlich. Von der sowjetischen Geschichtsschreibung mit Erzählung im Kontext des Großen Vaterländischen Krieges bis hin zu sehr späten, aber systematischeren Studien in Deutschland und Österreich. In den letzten Jahren haben Ort, Ereignisse und Kultur der Erinnerung auf internationaler Ebene an Bedeutung gewonnen, was Maly Trastjanez zum Zentrum der Diskussion um Verantwortung und Erinnerung gemacht hat.

Gedenktafel "Massiv der Namen" an der Gedenkstätte in Maly Trastjanez (Foto von Jana Bondar)

Denkwürdige Zeichen an der Gedenkstätte Blagauschtschyna (Foto von Jana Bondar)

 

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